Ein Besuch des Kutschenmuseums in Rothenburg – Mai 2024

Berufskollegen und Freunde hatten ihm beim Dokumentieren der einzelnen Ausstellungsstücke geholfen.

Das Kutschenzeitalter war eine faszinierende Epoche. Nahezu während 100 Jahren war die Kutsche Verkehrsmittel und Statussymbol der begüterten Kreise und bildete somit den ersten wichtigen Abschnitt der Tourismus- und Verkehrsgeschichte.

Es war eine Zeit des Wandels und der Innovation, in der diese eleganten Fuhrwerke das Strassenbild prägten. Die Federung von Wagenkasten und Fahrgestell steigerten den Reisekomfort noch.

Viele unterschiedliche Kutschenformen entstanden. Bis das Auto an ihre Stelle trat und sie aus dem Strassenbild verdrängte.

Den Hauptanteil der Sammlung bilden Schweizer Wagen – folglich sind die beiden grössten und bedeutendsten Schweizer Wagenfabriken Geissberger in Zürich und Kauffmann in Basel mit ihren Produkten gut vertreten. In Luzern gab es fünf grössere Betriebe.

Man kann die einzige Coach bewundern, die in der Schweiz gebaut wurde, vermutlich eine Spezialanfertigung für 11 Personen der Firma Geissberger. – Der viersitzige Landauer ist eine ‘konvertible’ Kutsche, d.h. sie lasst sich von einem offenen in einen vollständig geschlossenen Wagen umwandeln. Er war im 19. Jahrhundert der bevorzugte Reisewagen in Europa.- Das jüngste Schweizer Wagenmodell war der Cabriolet-Landauer (mit Halbverdecken). – Mit dem Omnibus, wurden früher oft Gäste vom Bahnhof abgeholt. Übrig blieben von den über 100 Hotel-Omnibussen aus den Schweizer Kurorten nur gerade fünf. – Die Postberline, eine von zwei Postkutschen, wurde in Salzburg 2021 ersteigert. Sie wurde in Anlehnung an die letzte Münsterpost mit Emmen-Münster (später Beromünster) beschriftet und stellt eine absolute Rarität in der Sammlung dar. – Weitere Modelle sind ländliche Chaisen in verschiedenen Varianten, die omnipräsent waren, auch Luxuswagen wie Mylords und Victoria-Duc. Unter den Sportwagen war das Coupé das nobelste Modell. Es wurde für die abendliche Fahrt ins Theater benutzt und war formell Hochzeitskutsche. Dass Geissberger auch ein Meister der Leichtbauweise war, bezeugen die feingliedrigen Phaetons. Für ein solches Modell wurde er mit einer Silbermedaille ausgezeichnet. – Auch Jagdwagen und Zweiräder dürfen nicht fehlen.

Um 1900 waren die Winter in der Schweiz deutlich schneereicher. Deshalb standen in jeder Wagenremise vornehmer Familien auch Schlitten.

Heute trifft man Kutschen nur nach selten an: bei Fastnachtsumzügen, Hochzeiten und anderen besonderen Anlässen. Eigentlich schade!

Herr Knüsel verstand es ausgezeichnet, unser Interesse zu wecken, uns zu begeistern und war mit seinen Ausführungen, seinen Geschichten nicht auf taube Ohren gestossen. Er kennt alle Modelle im Reich seiner Kutschen in- und auswendig und weiss bestens Bescheid über historische Fakten zu jedem einzelnen Exponat.

Heinz Eichenberger bedankte sich im Namen der Kameraden bei Herrn Dr. Knüsel ganz herzlich. Unterstrichen wurde dieser Dank noch mit unserem ‘Dreifachen Turnerklatsch’. Auch ich schliesse mich dem Dank an, und es kann nur noch gratuliert werden. Es war ein Event mit Überraschungseffekt, von bester Qualität!

Nach dieser Exkursion kam auch die Geselligkeit bei Milly im ‘Rossmoos’ nicht zu kurz. Hans Hiltbrunner spendierte noch eine Runde anlässlich seines 75. Geburtstages. Besten Dank. Alles Gute und viel Glück für die Zukunft.

Bericht und Fotos: Herbert Unternährer