Das Wetter hat grossen Einfluss auf die Durchführung eines skisportlichen Anlasses, nicht nur bei den alpinen Rennfahrerinnen und Rennfahrern. Dieses Mal war uns Petrus wohlgesinnt. Wir lagen im Bereich eines ausgedehnten Hochs.
Es war der 8. Februar 2020. Sieben Skifahrer starteten bereits um 06 45 in drei Autos die Hinfahrt nach Andermatt.
Auch in diesem Winter war der Ansturm auf dem Bahnhof in Andermatt gross. Die zahlreichen Waggons unseres Regelzuges waren prallvoll mit erwartungsfrohen Schneesportlern. Entlastet wurde das ganze durch die Gondelbahn auf den Gütsch.
Hier oben hat sich in den letzten vier Jahren ohnehin vieles verändert. Die Ski Arena wurde total erneuert. Sieben neue Anlagen, die Verbindung über den Oberalp-Pass vom Urserental ins Vorderrheintal sowie die Beschneiung aller Pisten sind die Hauptmerkmale dieser Modernisierung. Darunter die Pendelbahn Cuolm da Vi, die Sedrun mit Disentis verbindet sowie die im Winter 2018/19 eröffnete Gondelbahn vom Oberalp-Pass auf den Schneehühnerstock mit seiner einmaligen Aussicht.
Nebst diesen zwei Skigebieten umfasst die Ski Arena auch zwei Sprachen, zwei Kulturen und zwei Kantone. Somit ist das grösste Skigebiet der Zentralschweiz entstanden, dank der 180 Pistenkilometer und 33 Anlagen bis auf knapp 3000 Meter Höhe, der sieben Monate Schneesicherheit und der vielen Sonnenterrassen. Über die happigen Preise liesse sich diskutieren!?
Auf dem Oberalp-Pass gab’s zur Einstimmung den traditionellen Kaffee mit Gipfeli im Restaurant ‘Piz Calmot’. Schon bald ‘erklommen’ wir gemeinsam per Sessellift den Piz Calmot. Der Andrang an den Sesselliften und Gondelbahnen war erträglicher als letztes Jahr. Aber auf den Pisten wimmelte es teilweise wie auf einem Termiten-Hügel.
Die Verhältnisse waren traumhaft. Die Pisten waren wie immer hervorragend präpariert. Zum Einfahren dienten uns zu Beginn die Hänge des Piz Calmot. Anschliessend wechselten wir zum ‘Schneehühnerstock-Express’. Vor einem Jahr war uns diese Abfahrt noch von Heinz Eichenberger höchst persönlich abgeraten worden wegen der zahlreichen Buckel an einigen heiklen Stellen auf der Piste. Doch diesmal – zunächst genossen wir die fantastische Aussicht auf die Berge der Surselva – nahmen wir die Abfahrt voller Elan in Angriff. Sie war in bestem Zustand. Griffiger Pulverschnee! Für Pascal Schmid und mich war es Neuland. Pascal stand einige Jahre zuvor nicht mehr auf den Skiern wegen seiner Rückenbeschwerden. Für mich war es in dieser Saison das erste Mal.
Heinz, unser Ski-Ass und Ski-Instruktor a.D. war so freundlich und geleitete uns geradezu in komfortabler Art ins Tal. Ich versuchte trotz eines gewissen Konditionsmangels genau seiner Spur zu folgen, die Schwünge immer im richtigen Moment anzusetzen. So wurde diese Abfahrt zum echten Vergnügen. Pascal bekam einige wohlgemeinte, präzise Tipps zur modernen Ski-Technik vom Meister höchst persönlich und war ebenfalls begeistert.
Etwas beschwerlich war der lange Auslauf am Ende der Abfahrt. Bei näherer Kenntnis der Verhältnisse hätte ich natürlich weiter oben die ‘Direttissima’ gewählt und sausen lassen. So musste ich den Rest der Strecke mühsam mit ‘Stöckeln’ zurücklegen. Dann kam noch ein Fussmarsch dazu.
Den Gipfel des Piz Calmot erneut angepeilt, glitten wir hinunter ins Val Val, um dann wiederum per Sessellift ins Hauptgebiet Val Cuolm (2215 m) auf der Bündnerseite zu gelangen. Dort zogen wir Schlangenlinien über die tollen Hänge bis zum Restaurant ‘Milez’. Hier war eine kurze Mittagsrast angesagt – Stärkung und Erholung inbegriffen.
Nach einer knappen Stunde verabschiedeten sich die ‘Fortgeschrittenen’ mit Heinz und Peter Furger wieder gen Schneehühnerstock. Sie wollten noch die ganze Kette bis zum Gütsch ‘abtasten’. Wir blieben noch einige Zeit im Gebiet Val Cuolm und erfreuten uns an den herrlichen, variantenreichen und breiten Pisten. Doch unterhalb Milez machten sich nach und nach einige eisige Stellen bemerkbar. Diese und die daneben liegenden Schneeansammlungen hätten zu ‘Spielverderbern’ werden können. Vorsicht war also geboten. Allzu grosse Risikobereitschaft hätte unnötige Unfälle mit Verletzungen zur Folge haben können.
Allgemein wurde anständig und mit dem nötigen Respekt gegenüber den Hunderten anderer Schneesportlern gefahren. Eine gewisse Kollisionsgefahr bestand dennoch. Das Beste wäre, man hätte rundum Augen, um den Überblick zu behalten.
Gewisse Ermüdungserscheinungen konnten auf dem Sessellift ‘weggedacht’ werden, Es waren willkommene Verschnaufpausen. Ich musste sogar einen plötzlichen Krampf im linken Oberschenkel in Kauf nehmen. Und dennoch gelang mir jede Fahrt mit weniger Energieaufwand. Auch die Jahrringe auf dem Buckel trugen das ihre dazu bei. Es gab immer wieder Gelegenheiten, die herrliche Bergwelt mit dem Licht- und Schattenspiel zu bestaunen und tüchtig durchzuatmen.
Nächster Treffpunkt war das Restaurant ‘Piz Calmot’. Alle sieben Skifahrer waren wieder vereint. Bei einem ausgezeichneten Hüttenkaffee und/oder einem Bierchen entstand spontan eine fröhliche und gesprächige Runde. Erinnerungen aus früheren Veltliner-Touren wurden wachgerüttelt. Es waren Augenblicke der Geselligkeit und Kameradschaft. Peter war dabei besonders in Form.
Leo, Pascal und ich kehrten dann mit der MGB zurück zur Station ‘Nätschen’, um den Tag auf der Pass-Strasse nach Andermatt sporlich ausklingen zu lassen. Auch die andere Gruppe traf ungefähr zur selben Zeit dort ein.
Zum Verlauf des Tages der Wandergruppe hat mir Kurt Risi seinen Kurzbericht gemailt: «Die acht Kameraden der Wandergruppe unter der Leitung von Walter Keller reisten mit ÖV und Auto getrennt nach Andermatt und trafen sich nach Ankunft zum Kaffee im Hotel ‘Badus’. Nach einem ausgedehnten Marsch nahmen wir im Hotel ‘Drei Könige’ ein ausgezeichnetes Mittagessen ein. Nach Dessert und/oder Corretto Grappa ging die Hälfte der Gruppe ins ‘Badus’ zum Jassen, und die andere Hälfte unternahm nochmals eine längere Besichtigung von Andermatt».
Um 16 00 Uhr begegneten wir uns alle an diesem Tag erstmals im Hotel ‘Badus’. In gediegener Atmosphäre wurde als kulinarischer Höhepunkt das ausgezeichnete und reichlich bemessene Fondue genossen. Herzlichen Dank an die Küchen-Equipe. Der Verein übernahm noch eine Runde Kaffee. Gegen sechs Uhr entschloss sich die eine Hälfte zum Aufbruch, die andere Hälfte blieb einfach noch etwas länger sitzen, sogar ziemlich lange, um den gelungenen Tag fast feierlich abzurunden.
«Hunderte, wenn nicht Tausende Schneesportler, wollten genau das Gleiche wie wir!» so sprach Leo Oberholzer vor einem Jahr am Ende des Events.
Eine Ära ging damit zu Ende. Leo hatte zum 27. und letzten Mal die Veltliner-Tour mustergültig organisiert. Wie die Zukunft aussieht, werden wohl andere Kameraden entscheiden.
Leo, Heinz und Walter gebührt ein grosser Dank für ihren Einsatz. Der Tag verlief einmal mehr unfallfrei. Alle waren froh und zufrieden.
Abschliessend möchte ich es nicht unterlassen, die grossen Verdienste Leos um die Veltliner-Tour, die im Jahr 1984 ins Leben gerufen wurde, zu würdigen.
Seit 1991 war Leo für die Durchführung zuständig. Viermal musste die Tour ausfallen Gesamthaft hatten 50 verschiedene Kameraden in all den Jahren daran teilgenommen. Nebst einem blutigen Gesicht von Alois Egli (bei miesesten Witterungs- und Pistenverhältnissen, die ich persönlich je miterlebt hatte), der den pickelharten Pistenboden küsste, gab es keine weiteren Unfälle. Mit Verlusten musste gerechnet werden. So suchte und fand man Sepp Signer mit gebrochener Bindung im Tiefschnee neben der Piste. Für akrobatische Einlagen auf den Pisten sorgte jeweils Peter Furger und das auch an nebelfreien Tagen. Die Jasser, Langläufer und Schneewanderer wurden von Walter Keller betreut. Für Leo waren es nach eigenen Angaben wunderbare Veranstaltungen.
Für dieses 29-jährige, selbstlose Engagement rund um die Veltliner-Tour hat Leo eine Standing-Ovation verdient.
Bericht und Fotos: Herbert Unternährer
