
Nach dem Eintreffen aller wanderbegeisterten Kameraden des MTV Emmenstrand bei der Flabkaserne Emmen bestiegen wir den hochmodernen ‘FCL-Car’ der Firma Gössi aus Horw, ausgestattet mit einem hochwertigen Interieur. Am Steuer sass unser Turnkamerad Jörg Meier, der seit längerer Zeit nebenberuflich und hoch motiviert für die Firma fährt.
Die Anreise führte über Luzern ins Urnerland, dort ins Schächental nach Spiringen. Seit 1968 existiert eine Partnerschaft mit der Gemeinde Emmen. Hier mussten wir aufs Postauto umsteigen, denn für private Reisecars ist die Überquerung des Klausenpasses nicht erlaubt. Grund sind wohl die zahlreichen engen Stellen und Kurven. Beeindruckend ist die Steilheit und Tiefe des Geländes in Richtung Schächen. Bewundernswert ist die mutige und routinierte Fahrweise dieser Bus-Chauffeure.
Doch vorher wurden die sieben Teilnehmer, die aus gesundheitlichen Gründen auf die Wanderung verzichten mussten, in Unterschächen abgesetzt. Dort wurden sie von Herrn Josef Herger, dem Kurator der Kultobjekte Bielen-Säge’ und dem historischen Zielhaus des legendären Klausenrennens freundlichst empfangen. Das Sägewerk stammt aus der Zeit von 1850. Es liegt neben dem rauschenden Schächenbach am Eingang ins Brunnital. Seit 1991 treibt ein faszinierendes Wasserrad das restaurierte Sägewerk an. Es können wieder stattliche Baumstämme zersägt werden. Interessant sind auch die Ausstellung zum Thema Holzverarbeitungswerkzeuge und der historische Granitbrunnen. Josef Herger gelang es offenbar bestens, das Septett mit einer kompetenten Präsentation zu fesseln. Begeistert waren die Kameraden auch vom kulinarischen Angebot. Zum Apéro gab es Wein, Alpkäse, Kaffee und Gipfeli.
Die Haltestelle ‘Untere Balm’ war Ausgangspunkt unserer Wanderung auf der Sonnenseite des Schächentales. Wir wurden in eine Z-Gruppe (zielstrebig/zügig) und eine G-Gruppe (gemütlich/ genussvoll) aufgeteilt. Natürlich zog sich das Feld der ‘G-Angehörigen’ schon bald in die Länge. Doch bei drei Rastpausen, die jeweils ¼ Stunde dauerten, kam es jeweils wieder zum Zusammenschluss. Die Kameraden der Z-Gruppe bekamen wir zwar erst wieder am Zielort, dem Bergrestaurant ‘Ratzi’, wieder zu Gesicht. Das Mittagessen wurde gestaffelt eingenommen. Möglich war das nur dank der Grosszügigkeit und Flexibilität des Wirtepaares.
Das Panorama auf der gegenüberliegenden Talseite war fantastisch. Frisch verschneite, majestätische Berggipfel stehen Spalier: Clariden, Chammliberg, das dominante Schärhorn (3294 m), Gross Ruchen und Gross Windgällen (das ‘Urner Matterhorn’). Aber auch der Blick in die tief gelegenen Täler ist nicht zu verachten. Auf ‘unserer’ Seite erheben sich ebenfalls markante, zackige Formationen gen Himmel (Gamperstock, Schächentaler Windgällen). Auch typische eiserne Lawinenverbauungen sind vorhanden.
Die Route verlief auf dem ersten Abschnitt auf einer Naturstrasse bis zur Alp Heidmanegg, dann änderte sich der Charakter der Unterlage. Schon bald befanden wir uns auf einem schmalen Bergweg, gespickt mit einigen schwierigeren Passagen: Treppenstufen, Geröll beim Traversieren von rutschigen Stellen. Es war ein stetes, relativ sanftes Auf und Ab, eben typisch für eine Höhenwanderung. Besonders eine stotzige Stelle hatte es in sich. Sie erinnerte über einige hundert Meter an eine Gipfelbesteigung. Später durchquerten wir abwechslungsreiche, lichte Wälder mit starkem Wurzelwerk am Boden. Hier musste man besonders Acht geben. Den Schlussabschnitt bildete wiederum ein kiesiges Fahrsträsschen. Zuletzt kam auch der Asphalt noch zum Zug. Alles in allem war es eine variantenreiche, zwar etwas lange Route in einer einmaligen Umgebung.
Ein besonderes Intermezzo aus der Spitzengruppe machte noch die Runde: René Sennhauser legte absichtlich eine Pause ein und setzte sich etwas erhöht an den Wegesrand. Alle glaubten, er befände sich an der Spitze. Die Kameraden zogen an ihm vorbei, ohne dass ihn einer bemerkte. Alle Blicke waren scheinbar hoch konzentriert auf den Weg gerichtet. Erst als René Laute von sich gab, entdeckte ihn Heinz. Später machte er sich wieder ans Überholen seiner Begleiter. Alle waren beinahe entgeistert und verstanden die Welt nicht mehr.
In den verschiedenartigen Biotopen gab es noch einige botanische Herbstboten in voller Blüte zu bewundern: Feldenzian, Schafgarbe, Sumpf-Herzblatt, Blauer Eisenhut, Schwalbenwurz- und Gefranster Enzian, Erika, kleinere Teppiche von Augentrost und zahlreiche Silberdisteln. Verblüht waren die meterhohen Gelben Enziane, aus deren Wurzeln der Enzianschnaps entsteht.
Die Zeit war nun auch für uns ‘reif’ für das Mittagessen. Es gab einen gemischten Grünen Salat, als Hauptgang Voressen mit Knöpfli und Rüebli. Das Menü schmeckte ausgezeichnet. Kompliment an die Küche. Ein erfrischendes Dessert – vom Verein gespendet – rundete den kulinarischen Teil ab. Besten Dank!
Anschliessend bot sich Gelegenheit für ein paar kurze Ansprachen. Max Siegrist meldete sich als erster zu Wort. Er freute sich sehr, dass alle Wanderer durchgehalten haben – und das unfallfrei. Sein Fazit lautet: Nur zufriedene Gesichter!
Max bedankte sich bei Jörg, dem Chauffeur, bei seinen Helfern Heinz Eichenberger und Hans Wigger beim Rekognoszieren, bei allen beteiligten Kameraden.
Kurt Risi richtete seine Dankesworte in erster Linie an die Adresse unseres Wanderleiters Max Siegrist für die organisatorische Meisterleistung. Er hat uns eine Ecke in der schönen Schweiz aufgezeigt, die einige noch nicht kannten. Ein absolutes Highlight! Kurt schloss auch die Sponsoren in seinen Dank ein: Den Kaffee offerierte Fredy Duner als angehender ‘Neunziger’. Jörg Meier verzichtete nach Absprache mit der Firma Gössi auf seinen Lohn, dadurch fielen für uns die Gesamtkosten geringer aus. Dank ihm wurde uns dieses tolle Gefährt zur Verfügung gestellt. Einmal mehr unterstrich ein Dreifacher Turnerklatsch die Dankesworte.
Fredy Duner, der am 27. September seinen 90. Geburtstag feiern darf, bedankte sich ebenfalls herzlich bei Max und seiner Crew, vor allem für das Spezialprogramm ‘Bielen-Säge’. Voller Begeisterung verkündete er: «Wenn ihr alle wüsstet, was ihr verpasst habt, dann hättet ihr …!!»
Die letzten zwei Stunden verbrachten wir gemeinsam im Restaurant oder auf der Aussichtsterrasse mit Blick auf den vergletscherten Grossen Spannort. Geselligkeit war angesagt. Es herrschte eine fröhliche Stimmung mit vielen anregenden Gesprächen. Wandern muss ja nicht nur körperliche Ertüchtigung sein!
Max Siegrist hat die Herbstwanderung hervorragend organisiert. Es war sein fünfter und hoffentlich noch lange nicht sein letzter Streich!! Als Wander- und Lagerleiter war und ist er sehr versiert. Ich durfte selber einige Mädchenlager unter seiner Regie miterleben.
Ab 16:30 brachte uns die Luftseilbahn mit schmalen roten Kabinen für acht Personen wohlbehalten ins Tal. Gegen halb sechs Uhr setzten wir uns in den Car und traten die Heimreise an. Diesmal ging’s über die Axenstrasse und den Zugersee nach Hause. Sicher und elegant steuerte Jörg sein Gefährt durch den immer dichter werdenden Verkehr und vorbei an den zahlreichen Baustellen. Chapeau!!
Während des ganzen Tages war uns Petrus wohlgesinnt. Einzig am Morgen lag Hochnebel über Emmenbrücke und dem Vierwaldstättersee.
Ein paar Unentwegte liessen den Tag bei einem kühlen Bier im ‘Seetäli’ ausklingen. Freuen wir uns auf die Ausgabe 2020!
Text: Herbert Unternährer Fotos: Peter Wild, Herbert Unternährer
