Am letzten Samstag, den 12. September bestiegen 29 Kameraden um 09 30 Uhr beim Fleckenplatz in Rothenburg – natürlich alle mit Gesichtsmaske ausgerüstet – den Linienbus nach Hildisrieden. Ein beinahe gespenstischer Anblick!
Max Siegrist, der zum sechsten Mal diesen Traditions-Event auf die Beine stellte, gelang dies unter dem Motto ‘Was willst du in die Ferne schweifen, sieh das Schöne liegt so nah’ Er hatte mit Heinz Eichenberger die Wanderung rekognosziert, im Detail vorbereitet und schliesslich erfolgreich durchgeführt.
Das Dorf Hildisrieden hinter uns lassend, erreichten wir zunächst auf einer Asphaltstrasse den Golfplatz ‘Sempachersee’, der auf dem ‘Balkon des Kantons Luzern’ liegt. Von hier aus könnte man bei klaren Verhältnissen eine fantastische Aussicht in die Bergwelt der Alpen geniessen. Weiter ging’s dann durch die gepflegten Greens und Bunker (Sandhindernisse) in nordöstlicher Richtung nach Gormund. Rechterhand thront auf einem weithin sichtbaren Moränenhügel die Wallfahrtskapelle ‘Maria Mitleiden’. Ein stolzes Ensemble: die Kapelle, die Kaplanei und das Sigristenhaus am Eingang zum Luzerner Michelsamt. Die Kapelle wurde 1509 vom Bischof von Konstanz geweiht.
Im altehrwürdigen Landgasthof Gormund war Apéro-Time angesagt. Hier stiessen zum ersten Mal auch die fünf Kameraden zu uns, die nicht mehr so gut zu Fuss sind. Insgesamt waren es also 34 Kameraden. Nach gut einer halben Stunde setzten wir die Wanderung fort Das weitere Wegstück führte durch den nördlichen Teil des weitläufigen Golfplatzes, also durch das Gormunder Moos, dann auf einem schmalen Pfad teilweise durch den Wald bis zu einer markanten Anhöhe mit dem Hof ‘Weier’ oberhalb von Neudorf. Auf dem Golfplatz herrschte übrigens emsiges Treiben. Bei einem ‘inoffiziellen ’Apéro-Halt zauberte jemand – wie von Geisterhand – zwei Flaschen Weisswein und das entsprechende Gebäck aus einem Rucksack.
Kurz danach stand im Grill-Restaurant ‘Füür ond Flamme’ (früher Löwen) das Mittagessen auf dem Programm, selbstverständlich im Freien. Im Internet war dazu folgendes zu lesen: ‘Füür ond Flamme’ ist nicht nur ein Name, sondern auch Programm. Es ist die Art und Weise, wie man das Essen zelebriert’. Das klang vielversprechend.
Normalerweise hat das Restaurant vom Dienstag bis Samstag ab 18 Uhr geöffnet. Für uns machte der Gastgeber eine löbliche Ausnahme. Zum Mittagessen gab’s einen gemischten Blattsalat, als Hauptgang Spanferkel-Rücken mit Kartoffeln und Rüebli. Es schmeckte hervorragend! Gratulation! Das Dessert, eine Crèmeschnitte à la maison, offerierte die Spendenkasse des Vereins. Besten Dank! Ein grosses Kompliment an die Küchen-Equipe und an das freundliche Service-Personal.
Kurt Risi, der Präsident, meldete sich spontan zu Wort und bedankte sich im Namen aller beim Tourenleiter Max Siegrist für sein gelungenes Werk, aber auch beim Gastgeber und seinem Team für deren Einsatz und das kulinarische Produkt, das uns so behagte.
Die nächsten Stationen der Wanderung hiessen: Flugplatz, Naturschutzgebiet Wiholz, Vogelherd auf dem Blosenberg, Erlose, Waldkathedrale, Chorherrenstift.
Vor dem Anstieg – beim nächsten ‘Stundenhalt’ – zum Blosenberg wurden noch zwei weitere Weinflaschen entkorkt.
Der Name Vogelherd weist auf einen früheren Vogelfangplatz hin. Es wurden Netze aufgestellt und vor allem Sing- und Zugvögel eingefangen. Ganz in der Nähe dominiert der 217m hohe Blosenbergturm, der zum ehemaligen Landessender Beromünster gehörte. Seine grösste Bedeutung erlangte er während des 2. Weltkrieges als Quelle unabhängiger Informationen für das damalige deutschsprachige Europa. Radio Beromünster war in weiten Teilen Europas zu empfangen. Der ehemalige Sendeturm steht unter Denkmalschutz und soll in absehbarer Zeit zu einem Museum umgestaltet werden
Nachdem der ‘Kulminationspunkt’ errreicht war, gings weiter über einen Ausläufer des Blosenbergs zur Waldkathedrale. Vor 200 Jahren wurde dieses bedeutende Natur-Denkmal angelegt, zur Erholung der Stiftsherren. Es kommt einem vor, als betrete man eine gotische Kathedrale. Allerdings nicht aus Stein und Mörtel, sondern aus mächtigen Bäumen. Die ausladenden Baumkronen uralter Rosskastanien bilden das nachempfundene Dachgewölbe. Von den 94 Rosskastanien stehen heute noch 28, die restlichen fielen Wetter-Unbilden zum Opfer. Zu Beginn wurden noch 3500 Hegebuchen gepflanzt, um die Seitenschiffe abzugrenzen.
Als Schlussetappe stand noch der Abstieg zum berühmten Chorherrenstift St Michael bevor. Dieses wurde im frühen Mittelalter gegründet. Das Stift besitzt eine alte Bibliothek, zu der auch seltene Frühdrucke gehören, die in der Stiftsdruckerei entstanden.
Zielort war das Restaurant ‘Rosengarten’. Hier war genau der richtige Ort zum Verweilen. Im Mittelpunkt standen nun das gesellige Beisammensein, der gegenseitige Austausch, die Pflege der Kameradschaft.
Für den zweiten Teil der Wanderung hatte ich mich wegen Fussbeschwerden für die ‘Gehbehinderten-Abteilung‘ entschlossen.
Der ehemalige Zeichenlehrer und Künstler Ludwig Suter empfing uns freundlich, praktisch vor seiner Haustüre. Er selber kam ebenfalls am Stock, ihm steht die zweite Hüftoperation bevor.
Er geleitete uns über eine Treppe in einen Saal des Stifts-Theaters. Hier befanden sich mehrere hölzerne Staffeleien mit grossformatigen Bildern. An jedem einzelnen der zahlreichen Werke arbeitete er mehrere Tage. Sie dienten ihm als Vorstufe für sein neues Buch mit dem Titel ‘Elias wird Buchdrucker’. Der Auslöser für dieses Projekt war das 550 jährige Jubiläum des ersten Buchdrucks in der Schweiz durch den Stiftsherrn Helias Helye. Ludwig bezeichnet sein Buch als ‘Bilderchronik’ auf 54 Seiten und widmete es dem Buchdruck. Er wollte kein streng wissenschaftliches.
Werk schaffen. Mit seinen fantastischen farbigen Zeichnungen verstand er es ausgezeichnet, lustvoll zu gestalten. Der Buchdruck war eine epochale Erfindung, ähnlich bedeutend wie vor Urzeiten das Rad. Ludwig skizzierte den Werdegang des Elias und damit verbunden die facettenreiche Geschichte des Chorherrenstifts und des Fleckens Beromünster.
Anschliessend an seine Buchvorstellung führte er uns noch durch die Stiftskirche und anschliessend zu einer seiner ‘Sitzungen’ – wie er es nennt – in die Gartenabteilung des Restaurants Hirschen und offerierte uns eine Runde Bier. Ludwig Suter ist uns wohlbekannt als Nachtwächter und Dorf-Original.
Ein paar Unermüdliche liessen den Tag traditionsgemäss im ‘Seetäli’ ausklingen. Es lebe die Herbstwanderumg 2021, hoffentlich wieder unter normalen Umständen.
Bericht und Fotos: Herbert Unternährer
