Herbstwanderung 2023 Unterwegs im Seetal

Spezialprogramm

 

Mit dem ‘Seetaler’ erreichten wir kurz nach 13 Uhr die Bahnstation Hitzkirch. Hier erwartete uns Pius Egli, pensionierter Lehrer und seit Jahrzehnten begeisterter Weinexperte und -enthusiast aus Altwis im Seetal. Er chauffierte uns zum Weinkeller am Lindenplatz 1 in Altwis, vis-à-vis des Weinberges ‘Saffergarten’, direkt an der Hauptstrasse.

Im Jahr 1969 gründeten 10 Weinbaubegeisterte (mit Pius Egli) aus dem Seetal die Weinbaugenossenschaft ‘Saffergarten’. Damals wurden auf dem Weinberg 4868 Riesling Silvaner- und 3765 Blauburgunderreben angepflanzt. Später kamen noch weitere Reben dazu wie Dornfelder und Merlot. Für die letztgenannte Rebsorte wirkt sich der Klimawandel sogar positiv aus. Auch heute noch stehen über 50-jährige Rebstöcke im ‘Saffergarten’. Der kalkhaltige, kiesige und fruchtbare Moränenboden – ein Überbleibsel der Vergletscherung – gibt den Trauben eine besondere Note.

Auf meine Frage, ob die Reben während dieses extrem heissen und trockenen Sommers genügend Wasser bekämen, meinte Pius, die Rebe sei eine echte Wucherpflanze, ein mit Sprossranken kletternder Strauch, der unbeschnitten die Wuchsform einer Liane entwickle. Sie könne 10 bis 20 Meter hoch werden und hätte einen reich verästelten Wurzelstock, dessen Wurzeln bis 10 Meter tief in den Boden vordringen könnten, um an das vorhandene Grundwasser zu gelangen. Die Rebe hätte nur ein Ziel, in jedem Fall zu überleben.

Beim Kurzbesuch des Weinberges am Grenzbach fiel uns das fast goldene Gelb der Beeren unzähliger Fruchtstände auf – ein typisches Zeichen des Reifegrades. Pius startete mit uns ein Experiment. Wir mussten aus zwei benachbarten Reihen Reben je etwa 30 einzelne Beeren von verschiedenen Pflanzen pflücken.

Zurück im Weinkeller schüttete er die gesammelten Beeren in einen zylindrischen Behälter und zerquetschte sie mit einem ‘Stöpsel’. Um den Oechslegrad zu messen, verwendete er ein Refraktometer. Es handelt sich um ein optisches Messgerät. Dieses wird auf den Traubensaft aufgesetzt, und das Licht wird durch die Flüssigkeit geleitet. Der Brechungsindex des Traubensaftes wird gemessen und in Oechslegrad umgerechnet.

Das Gewicht des Traubensaftes ist ein Mass für den Anteil der gelösten Stoffe, insbesondere Zucker im Traubensaft und ist somit ein wichtiges Qualitätskriterium von Wein.

Zum Thema ‘Schneiden und Pflege der Reben’ möchte ich nicht mehr weiter ausholen. Dennoch ein paar Bemerkungen: Weinreben zu schneiden erfordert viel Erfahrung.

Ein regelmässiger Schnitt hält die Reben gesund und ertragreich.

Weinreben tragen immer nur an einjährigen Trieben Früchte.

Während seiner Ausführungen hatten wir einen süsslichen und einen trockenen Riesling Silvaner verkostet und genossen. Zum Schluss zauberte Pius noch einen Rotwein aus dem Ärmel.

Dazu gab es eine reichhaltige ‘Speck- und Käseplatte’, garniert mit weissen und blauen Tafeltrauben, Melone und Brot. Sehr grosszügig! Alles passte hervorragend zu den erwähnten Testweinen. Diese überzeugten derart, dass am Schluss die drei Flaschen geleert waren. Es war eine Degustation par excellence!

Immer wieder wurden Fragen zum Thema Weinbau an Pius gerichtet. Er gab bereitwillig und kompetent Auskunft. Pius hatte sich durch Weiterbildung an verschiedenen Weinbauschulen in den vergangenen Jahrzehnten ein enormes Wissen angeeignet und besitzt grosse Erfahrung.

Es gab so viel zu erzählen! Das Thema ‘Weinbau’ ist beinahe unerschöpflich und sehr komplex.

Gewiss ist: Die Weinrebe zählt zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheit.

Sie kann im Extremfall bis zu 300 Jahre alt werden.

Einen Wein zu geniessen, ist eine Kunst. Und wie bei jeder Kunst, gehören Wissen und Können dazu.

Max’s Idee zu diesem Spezialprogramm hatte es in sich. Wir fünf waren beeindruckt. Ich möchte Pius meinen herzlichen Dank aussprechen für seine interessanten Ausführungen und seine Grosszügigkeit. Auch unserem Tourenleiter Max Siegrist gebührt ein grosser Dank für die perfekte Organisation und Durchführung der Herbvstwanderung. Nicht zu vergessen: Ueli Etter, der sich bereit erklärt hat, einen kurzen Bericht zu schreiben. Der Verein hat die Kosten für die Weindegustation übernommen. Merci beaucoup!.

Bericht und Fotos zum Spezialprogramm:  Herbert Unternährer