Am letzten Samstag, den 11. September – exakt 20 Jahre nach dem verheerenden Terroranschlag auf das World Trade Center in New York – trafen sich 30 Kameraden zur traditionellen Herbstwanderung.
Max Siegrist, unser bewährte Wanderleiter, entschied sich auch dieses Jahr für das Nahe, am Rande unserer weltberühmten Region Vierwaldstättersee. Viele Kameraden wussten vorher kaum oder gar nicht, wie es dort oben, auf dem Dotteberg, aussieht.
Südlich der Reuss gibt es einen Hügelzug mit den drei Erhebungen: Dietschiberg, Dotteberg und Rooterberg. Mit 750 Metern über Meer liegt der Dotteberg in der Mitte.
An seiner Südflanke befindet sich der gleichnamige Kirchweiler mit der neugotischen Kapelle St. Jost. Die kleine Bauernsiedlung sowie die 1863 erbaute Kapelle wurden ins Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz aufgenommen.
Auf getrennten Wegen, und verschieden in der Fortbewegung, erreichten alle Kameraden den vereinbarten Treffpunkt bei der Kapelle St. Jost.
Die Wandergruppe mit Max fuhr mit dem Zug nach Luzern und anschliessend mit dem Bus nach Adligenswil. Gleich zu Beginn der Wanderung war eine starke Steigung zu überwinden bis zum Punkt 696 oberhalb der Ennetweid und des Bauernhofes Oberäbrüti, dann umrundeten die Kameraden den ‘Gipfel’ des Dottebergs und erreichten nach einem leichten Gefälle den Zielort.
Natürlich stand nicht nur das leistungsorientierte Wandern im Vordergrund, auch das Gesellige musste auf seine Rechnung kommen. Dazu gehörte der Vorapéro bei einem ideal gelegenen Rastplatz mit grossartiger Aussicht auf unsere Wohngemeinde und das erweiterte Mittelland. Abwechslung musste sein! Zwei Kameraden zauberten wie von Geisterhand zwei Weisswein-Flaschen aus ihren Rucksäcken, um sie gleich darauf zu entkorken.
Die ‘kleinere Hälfte’, es waren sechs an der Zahl, die nicht (mehr) so gut zu Fuss waren, wurden von Werner Kretz, routiniert und sicher, in einem Kleinbus der Firma Karl Hess auf einer Zusatzschleife über Werners Geburts- und früheren Wohnort, Dierikon und das Götzental, Adligenswil zum Meetpoint chauffiert. Mit dabei war unser Ehrenmitglied Edi Schubiger aus Frauenfeld. Grund genug zur Freude! Edi liess es sich auf keinen Fall nehmen, uns auf der Herbstwanderung zu begleiten. Damit bewies er einmal mehr seine Verbundenheit mit dem MTV Emmenstrand. ‘Pflege der Kameradschaft’ ist für ihn kein hohles Wort.
Dieses Zusammentreffen erachte ich als ersten Höhepunkt des Events. Unmittelbar vor der Kapelle offerierte Werner anlässlich seines am 29. August gefeierten 70. Geburtstages einen APERITIF RICHE, bestehend aus einigen Flaschen
Weisswein, stammend aus Spanien, und reichlich vorhandenen belegten Brötchen mit Lachs, Tartar und Rohschinken, alle hübsch garniert. Und das vor einem bezaubernden Panorama. Zwischen Rossberg und Pilatus waren noch unzählige Gipfel der Zentralschweizer Alpen auszumachen. Diese grosszügige Geste wurde auf Kurt Risis Anregung mit einem ‘Dreifachen Turnerklatsch’ verdankt.
Die Aufteilung in zwei Gruppen ist irgendwie vergleichbar mit einer Symbiose im Pflanzen- und Pilzreich, zwischen Eichen und Trüffeln, den ‘Schwarzen Diamanten’ aus dem Périgord.
Nach dem kulinarischen Teil und der üblichen Unterhaltung folgte eine kurze Besichtigung der Kapelle St. Jost. Die Kameraden steuerten ihren Obolus bei für den späteren Unterhalt des Gotteshauses. Die Themenpalette der Unterhaltung reichte von ‘Weisch no?’ bis ‘Was esch ächt i…?’
Nach einem ersten folgte bekanntlich auch ein zweiter Höhepunkt, diesmal vor einer ganz anderen Kulisse, dem Restaurant Casa Nova In Adligenswil. Schon vor dem Gasthaus hiess man den MTV Emmenstrand auf einer weithin sichtbaren Tafel willkommen. Das war ein gutes Omen. Die Turnerschar verteilte sich auf der Terrasse und im geöffneten Innern des Restaurants. Wir kamen in den Genuss eines vorzüglichen Mittags-Mahls: Lauchkartoffelsuppe, Menuesalat, Rindsschmorbraten, hausgemachte ‘Spätzli’ und Mischgemüse.
Eine Runde Kaffee wurde vom Verein spendiert. Besten Dank! Alle waren zufrieden und bei bester Laune. Ein grosses Kompliment an die Küchencrew und an das freundliche Service-Personal.
Um 14 Uhr stand für die ‘kleinere Hälfte’ eine Besichtigung des Feuerwehr-Museums in einer kleinen Scheune unterhalb der ‘Alten Mühle’ auf dem Programm. Frau Odermatt gab uns ein paar interessante Details zur Entstehung und Einrichtung dieses kleinen, aber feinen Museums preis. Herzlichen Dank.
Das Museum thematisiert die Entwicklung des Feuerlöschens von seinen Anfängen bis zum Beginn der Motorisierung. Als Beispiel dafür dient die Ausrüstung der Gemeindefeuerwehr Adligenswil.
Das wichtigste Exponat ist zweifelslos die alte Feuerspritze. Dazu entdeckte ich in den vier Wänden des Museums folgende eher unrühmlichen Worte: ‘Die wertvolle Feuerspritze konnte offensichtlich die Qualität der Feuerwehr zunächst nur wenig heben. 1877 übte der kantonale Feuerinspektor viel Kritik: die Kontrolle war nachlässig, die Spritze seit langem nicht mehr gebraucht, das Material nicht ausreichend, fehlerhaft oder gar nicht vorhanden. Und Feuerwehrübungen wurden nicht oft durchgeführt, damit die Spritze auch Ausgezeichnetes leisten konnte’. Es schien auch früher nicht alles vom Besten zu sein.
Im weiteren waren Schöpfeimer aus ‘textilischem’ Material, Werkzeuge, Lampen, lederne und metallene Helme, eine Leiter sowie Bilder von Feuersbrünsten zu sehen.
Währenddessen zogen die Wanderer weiter, am Golfplatz Dietschiberg vorbei hinunter zum Kloster Gerlisberg, oberhalb der Luzerner Seebucht. Die gesamte Wanderzeit betrug gute zweieinhalb Stunden.
Werner Kretz brachte uns, eben die ‘kleinere Hälfte’, wohlbehalten zurück in heimische Gefilde, ins ‘Seetäli’, um dort den Tag ausklingen zu lassen.
Gut eine Stunde später gesellten sich auch noch einige ‘Unermüdliche’ zu uns, um diesen unvergesslichen Anlass mit einem erfrischenden Bierchen abzurunden. Da sich der Aufenthalt hier in diesem Jahr etwas in die Länge zu ziehen schien – und es dann auch tat – was wohl niemanden daran hinderte, einen weiteren ‘Hopfentee’ zu bestellen. Auch ‘gestopfte’ Kaffees waren beliebt. Die Zeit verging in Windeseile. Urplötzlich tauchte, wie aus dem Nichts, unsere geschätzte Leiterin Margrit Weber auf. Sie hatte in Ruswil einen esa-Leiterkurs besucht. Auch sie blieb noch eine ganze Weile unter uns und fühlte sich auf Anhieb äusserst wohl, genoss die lockere Atmosphäre.
Zu verdanken haben wir diesen gelungenen Anlass Max Siegrist, unserem ‘geborenen’ Wanderleiter. Es war sein siebter Streich; auch der war ein Treffer ins Schwarze. Max gebührt ein grosser Dank, im Namen aller Teilnehmer, für die tadellose Vorbereitung und Durchführung.
Es lebe die Herbstwanderung 2022 – hoffentlich ohne die latente Angst, früher oder später angesteckt zu werden oder die Ungewissheit im Zusammenhang mit der Testerei und dem Impfen.
Bericht: Herbert Unternährer, Fotos Max und Herbert
