
Am vorletzten Mittwoch, den 4. Dezember, um 19 30 Uhr, also vor der eigentlichen Turnprobe, stand ein äusserst wichtiges Thema auf der Agenda. Anwesend waren ungefähr zwei Dutzend interessierte Kameraden. «Was ist ein Defibrillator und wozu dient er?» Gerhard Ernst, ‘unser’ Arzt und Mitglied hat sich spontan bereit erklärt, uns darüber zu instruieren. Herzlichen Dank!
Jederzeit kann es passieren – ein Mensch bricht zusammen. – Was ist zu tun? Diese neuartigen Geräte sind heute an öffentlichen Plätzen, an vielfrequentierten Orten, aber auch bei Sportstätten wie Turnhallen oder Hallenbäder angebracht, um im Notfall benutzt zu werden und Leben zu retten. Wenn niemand Bescheid weiss, wo sich diese Geräte befinden oder wie sie zu handhaben sind, nützt alles nichts!
Die Defibrillation ist eine Methode zur Behandlung der lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen wie das Herzkammer – Flimmern. Dabei kann durch einen Stromstoss die normale Herzaktivität wiederhergestellt werden.
Der Defibrillator (auch kurz Defi genannt) wird im Rahmen der Reanimation eingesetzt. Kammerflimmern führt wegen der unkontrollierten Herztätigkeit zu einer fehlenden Blut- und Sauerstoffversorgung des Körpers. Es entsteht ein Herzkreislaufstillstand. Der Puls ist nicht mehr tastbar.
Eine solche Herzkammerrhythmusstörung (Kammerflimmern) endet aber unbehandelt innerhalb von Minuten tödlich. Die Chance auf eine erfolgreiche Wiederbelebung vermindert sich pro Minute um circa 10 Prozent.
Je früher eine indizierte Defibrillation erfolgt, desto besser ist die Überlebensrate und Prognose des betroffenen Patienten.
Wie geht man nun vor beim Reanimieren? Es werden die Klebe-Elektroden des Defibrillators auf den Brustkorb aufgebracht. Die Positionen dieser Elektroden werden so gewählt, dass der Strom zwischen ihnen durch das Herz fliesst. Heute wird Wechselstrom angewendet; er verursacht weniger Schäden als Gleichstrom.
Welche Gefahr besteht dabei? Wichtig bei einer Defibrillation ist, dass die Helfer nichtleitend mit dem Patienten (nicht verbunden) sind (z.B. durch Berührung des Patienten), da sie sonst einen Teil der Energie abbekommen könnten.
Welche Geräte sind auf dem Markt? Es gibt sowohl manuelle als auch halbautomatische Defis.
An den vorher genannten öffentlichen Plätzen oder Orten werden automatische externe Defis (AED) platziert, um die Dauer des Herzkreislaufstillstandes möglichst zu reduzieren. In Wirklichkeit sind die automatischen Defibrillatoren Halbautomaten. Der Stromstoss bei gegebener Indikation muss vom Helfer ausgelöst werden.
Was ist nun zu beachten bei BLS (Basic Life Support)? Diese Unterstützung umfasst das Erkennen einer Notfallsituation, des Herzkreislaufstillstandes. Wichtig ist zunächst aber die eigene Sicherheit. Dann erfolgt die Alarmierung (Nummer 144). Anschliessend braucht es eine Thoraxkompression und bei gegebener Ausbildung die Beatmung und so früh wie möglich den Einsatz des Defis (AED).
Berücksichtigt man nochmals die drei wichtigsten Punkte der Rettungskette bei einem Ernstfall:
- Sofortige Erkennung des Herzkreislaufstillstandes inklusive Warnzeichen.
- Es erfolgt die sofortige Alarmierung auf die (hoffentlich allen geläufige) Nummer 144.
- Unverzügliche Aufnahme der basalen lebensrettenden Massnahmen (Thoraxkompression, Beatmung). An erster Stelle steht die Sicherheit der Helfer!
Niemand wird allein einen Herzstillstand beheben können! Unbedingt wichtig ist die Einhaltung der Rettungskette!
Wie erkennt man aber einen Herzstillstand? Entscheidend ist nun die Überprüfung des Bewusstseins. Der Patient muss berührt und angesprochen werden. Er sollte nicht geschüttelt, oder es sollte nicht geschrien werden. Gleichzeitig muss die Atmung visuell beurteilt werden. Ist sie vorhanden? Ist sie normal?
Gerhard hat uns in eindrücklicher und kompetenter Manier mit dieser komplexen Materie vertraut gemacht.
Ich selber hatte in den 60er- Jahren im Rahmen der Kursleiterausbildung der Schweizerischen Lebensretter-Gesellschaft (SLRG) an einem grossen Samariterkurs teilgenommen. Er war damals Bedingung, um in den Besitz des entsprechenden Brevets zu gelangen. Nebst der bekannten Mund zu Mund – Beatmung (heute benötigt man dazu eine Maske) wurde uns die damals sehr umstrittene Herzmassage (mit Vorbehalt) empfohlen. Heute gehört die Herzmassage auch für Laien zwingend dazu. So ändern sich eben die Zeiten!
Bericht und Fotos. Herbert Unternährer
