Ob im Flugzeug, auf dem Schiff, im Hotel oder zu Hause: Oftmals wird Sola aufgetischt. Schliesslich gehört der Familienbetrieb weltweit zu den grössten Herstellern von Besteck. Vom Design über die Produktion bis zum Vertrieb hat die Firma alles selbst in der Hand.
Am letzten Mittwoch, den 19. Juni, fand zum 39. Mal das vom verstorbenen Ehrenmitglied Adolf Schläpfer ins Leben gerufene Freundschaftstreffen mit dem Männerturnverein Egolzwil statt. Organisator waren diesmal die ‘Emmensträndler’.
Auf Anregung von Walter Odermatt stand im Mittelpunkt der Besuch der Sola Switzerland AG an der Seetalstrasse 39 in Emmen. Zu begeistern waren insgesamt 44 Kameraden, davon 15 aus Egolzwil.
Marius Gerritsen als Senior-Chef, gab eine spannende Einführung zur geschichtlichen Entwicklung der Firma zum Besten. Mit ein paar Fotos dokumentierte er die Fabrikgebäude der verschiedenen Epochen. Wir kamen uns vor wie in einem altgriechischen Musiktheater. – Doch zuvor teilte er noch mit, dass wegen des Feiertages (Fronleichnam) das Personal bereits um 17 Uhr Feierabend hatte. Seine Frau Rosmarie, Herr Spitz und er waren bereit, uns einen Einblick in die Firma zu geben.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich erwähnen, dass ich mir erlaubt habe, die Zusammenfassung seiner Ausführungen, die er mir spontan zur Verfügung gestellt hat, leicht modifiziert zu übernehmen – und betrachte es auch nicht als Diebstahl geistigen Eigentums. Ich bedanke mich bei Marius herzlich dafür, denn ich hatte ja ‘keinen blassen Dunst’ von den Hintergründen.
Bei der Firma Sola Switzerland AG war man in den vergangenen 25 Jahren immer mit Erweiterungs- oder Umbauten beschäftigt, was natürlich in der Öffentlichkeit nicht unbemerkt blieb und eventuell zu irgendwelchen Spekulationen Anlass gab. Die Firma hatte sich aber nicht nur in baulicher Hinsicht, sondern auch im Sortiment, welches heute im Angebot steht, gewaltig diversifiziert. Ursprünglich hatte sich das Unternehmen als Hersteller von Essbesteck konzentriert, bietet aber heute nebst Besteck auch Glas, Porzellan, Geschenkartikel, Küchenutensilien für Privat-Haushalte, Gastronomie, Spitäler, Heime und Fluggesellschaften an.
Das Unternehmen entwickelt und produziert Qualitäts-Bestecke mit einer Tradition, die auf das Jahr 1866 zurückgeht! Seit fünf Generationen wird das Besteck modern und traditionsbewusst hergestellt. In der eigenen Entwicklungsabteilung fertigen Designer und Silberschmiede attraktive Modelle. Da für die Besteckproduktion die nötigen Arbeitskräfte, speziell für Schleif- und Polierarbeiten in der Schweiz nicht mehr rekrutiert werden konnten, musste die Besteckproduktion, wie auch bei anderen Mitbewerbern, ins Ausland verlegt werden. In eigenen Fabriken wird heute in der Slowakei, in China (Xinxin) und Indonesien (Surabaya) produziert. Hier lassen inzwischen weltbekannte Labels ihre Designs ausführen. An beiden Standorten wird so sauber produziert wie in Europa, meint der aktuelle CEO.
Der Urgrossvater des heutigen Inhabers Thomas Gerritsen Albert Gerritsen war Gold- und Silberschmied mit einem Atelier in Amsterdam und stellte seit 1866 nebst Schmuck auch Bestecke aus Edelmetall – Gold und Silber – her. Er hatte Erfolg und
bezog im Jahr 1900 mit rund 300 Mitarbeitern ein grosses Gebäude, immer noch unter dem Familiennamen Gerritsen. – Ab 1900 arbeitete auch sein Sohn Marius Gerritsen (2. Generation) im Betrieb. Er machte sich dann 1922 selbständig und gründete in Zeist (NL) eine Besteckfabrik unter dem Namen ‘Sola’. Auch er befand sich auf Erfolgskurs und baute 1950 ein grösseres Fabrikgebäude. – Franz Gerritsen (3. Generation) verlegte 1937 seinen Wohnsitz in die Schweiz nach Olten, um die Sola-Bestecke aus den Niederlanden in der Schweiz zu verkaufen. Da er während des Weltkrieges keine Ware aus den Niederlanden bekommen konnte, machte er sich selbständig und produzierte unter dem Namen ‘Sola’ Geschenkartikel wie Teesiebli, Serviettenringe, Tortenheber, Korkenzieher, Kinderbecher u.a., die er erfolgreich verkaufen konnte. – Am 1. Mai 1948 gründete er völlig unabhängig von der niederländischen Sola-Unternehmung die eigene Sola-Besteckfabrik in Emmen. Auf dem internationalen Markt sind die beiden finanziell völlig unabhängigen Firmen also Konkurrenten. – Marius Gerritsen mit Jahrgang 1939 vertrat die 4. Generation. Heute ist er im Ruhestand, verfolgt aber nach wie vor die Geschicke seiner Firma. –
Thomas Gerritsen, sein Sohn, hatte 1994 in 5. Generation den Betrieb vom Vater übernommen. Mehr als 200 Tage im Jahr ist er unterwegs im Ausland. Als engagierter Patron kümmert er sich um alles in seinen Fabriken, nicht immer an den schönsten Orten: Schleifen, Polieren, Reinigen bedeutet eigentlich schmutzige Arbeit! Oft wird das Schmutzwasser direkt in den Boden gelassen. Auf die Umwelt wird nicht überall genügend Rücksicht genommen.
Auf einem Tischchen lagen ein paar Exemplare eines Newsletters zum 150 Jahr-Jubiläum auf Englisch. Darin entdeckte ich eine Antwort von Thomas Gerritsen während eines Interviews auf folgende Frage: Was ist das Sola-Erfolgsrezept? Seine Antwort lautete: Authentizität. Wir wollen nicht mehr sein, als wir sind. Umweltfreundliche Produktion und Einfachheit sind unsere Standards. Ich bin nicht nur am Design interessiert. – Dass ihn Sola bis nach Ulan Bator verfolgt, hat ihn aber doch erstaunt. In der Hauptstadt der Mongolei sollen sich Männer mit seinen Tafelmessern rasieren!
Aufgeteilt in zwei Gruppen, machten wir uns auf den Rundgang. Meine ‘Hälfte’ begleitete Herr Spitz, die andere führte Herr Gerritsen höchst persönlich durch die ‘heiligen Hallen’. Zunächst bekamen wir das reichhaltige Sortiment zu Gesicht, das auf drei Etagen verteilt ist. Wunderschöne Ausstellungsobjekte stammen aus den Häusern von Rosenthal, Wedgwood oder Versace. Eigentlich wäre das eine echte Augenweide für unsere Frauen! – Anschliessend begaben wir uns ins 14 Meter hohe Hochregal-Lager. Eindrücklich! Die Gestelle waren prallvoll mit Artikeln, verpackt in Kartonschachteln, für den Versand bereit. – Zum Schluss stand noch die ‘Silberei’ auf dem Programm. Hier ist Galvanik angesagt. In einer langen Reihe von Wannen erfolgen unter Strom die verschiedenen Prozessschritte nacheinander. So kann Besteck, das aus billigem Metall besteht, mit einem teureren Metall wie Silber beschichtet werden. Solche Metallüberzüge können den Messern, Löffeln und Gabeln Glanz und ein eindruckvolles Aussehen verleihen. – Weiter werden im Mutterbetrieb auch Gläser geeicht. – Ebenfalls zur Anwendung kamen Laser Gravuren.
Nach der Besichtigung waren alle zu einem Apéro eingeladen. Unser Präsident Kurt Risi bedankte sich in gewohnt lockerer Art bei Marius Gerritsen, seiner Frau Rosmarie und Herrn Spitz für ihren Einsatz. Zum Dank überreichte er den beiden Herren eine feine Flasche Wein und Rosmarie Gerritsen eine Schachtel Pralinen. Sepp Hodel, Präsident der Egolzwiler, schloss sich dem Dank im Namen seiner Kameraden an. Unser ‘Dreifacher Turnerklatsch’ als Zeichen des Dankes, der Freude und der Zufriedenheit durfte natürlich nicht fehlen. Zur Erinnerung überreichte man uns noch ein kleines Geschenk, einen wunderschönen Yoghurt-Löffel. Vielen Dank!
Zum gemütlichen Teil dislozierten wir anschliessend ins nahegelegene Restaurant ‘Rossmoos’. Die ganze Turnerschar sass gemütlich und durchmischt beisammen. Man tauschte sich gegenseitig gedanklich aus und – pflegte eben die Kameradschaft. Für das leibliche Wohl sorgte die Küche. Es gab reichlich ‘Hörnli mit Gehacktem’ und Apfelmus. Herzlichen Dank an das Küchen- und Service-Personal unter der Ägide von Milly. Alle waren in bester Laune und zufrieden.
Fazit: Der Anlass war gelungen. Freuen wir uns auf die 40. Ausgabe in Egolzwil!
Bericht und Fotos: Herbert Unternährer
