
Zum zweiten Mal hat Max Siegrist die traditionelle Herbstwanderung des MTV Emmenstrand organisiert. Es war wiederum ein Treffer ins Schwarze!
Am Samstag, den 17. September um 8 Uhr erwartete uns ein brandneuer, hochmoderner Car der Firma Gössi aus Horw bei der Mehrzweckhalle Kaserne Emmen. Am Steuer sass – welch eine Überraschung – kein geringerer als Jörg Meier, Mitglied unseres Vereins. Seit vielen Jahren fährt er nebenamtlich für Gössi Reisen. 46 gutgelaunte, erwartungsfrohe Männerturner und Senioren stiegen ein.
Kurz vor dem Brünigpass, beim Aussichtspunkt mit Blick auf den Lungerer See, gab es einen Zwischenhalt. Sponsor des ‚Znünis’ war Röbi Widmer, der am Tag zuvor seinen 55. Geburtstag gefeiert hatte. Herzlichen Dank! Eine halbe Stunde später fuhr der Car auf den Parkplatz in Iseltwald.
Dort bestiegen wir das Schiff, das uns nach Giessbach-See brachte. Von hier aus führte die 137 Jahre alte Standseilbahn, die älteste in Europa, direkt zum historischen Grandhotel Giessbach und zu den imposanten Giessbachfällen.
Diese Hotelanlage aus der ‚Belle Epoque’ stellt auch heute noch eine Welt für sich dar. Sie liegt weit abseits von Hektik, Alltag und Verkehr und repräsentiert die Romantik und den Charme längst vergangener, ruhmvoller Tage!
Von der Aussichtsterrasse aus geniesst man einen herrlichen Blick auf die tosenden Wassermassen, welche sich über 14 Stufen und 500 Meter in den türkisfarbenen Brienzersee stürzen. Ein seltenes, grossartiges Naturschauspiel!
Nach einer kurzen Besichtigung des Eingangsbereichs und einiger Räume des Grandhotels trafen wir uns beim „Wegweiser“. Walter Flühmann, ein früherer Präsident der Männerriege Emmenstrand, heute wohnhaft in Brienz, wurde von Leo Oberholzer eingeladen. Er erzählte uns interessante Details zur Hotelgeschichte und berichtete vom Kraftort bei den Wasserfällen.
Für die Kameraden, die nicht mehr so gut zu Fuss waren, gab es ein Spezial-
programm. Sie wurden von Jörg mit dem Car abgeholt und nach Iseltwald gefahren. Dort blieb ihnen genug Zeit, um sich zu vergnügen.
Das Gros der Teilnehmer machte sich nun auf den Weg. Zunächst erklomm man die Stelle bei der oberen kleinen Brücke, wo der Weg hinter dem spritzenden Wasser-
vorhang verschwindet. Sie gilt als Kraftort. Hier erscheint (angeblich) die Welt plötzlich ganz anders, und man kann die Kraft der Natur erleben und auftanken. Ein Kraftort sollte als Ort geachtet werden, der für die Seele gedacht ist.
Nach einer Viertelstunde erreichten wir eine markante Weggabelung. Einige Kameraden zogen die obere, etwas einfachere Wegvariante vor. Der ‚harte Kern’ entschied sich hingegen für den anspruchsvolleren, steilen Abstieg. 20 Minuten ging’s über glitschige Steine und Wurzeln bis zum Seeufer. Es war nicht ganz ungefährlich, das Unterfangen verlief aber ohne Zwischenfall. Nun nahmen wir den idyllisch angelegten Waldweg dem See entlang unter die Füsse. Es gibt Stellen, die nur wenig über dem Seespiegel liegen. Senkrechte Felswände, bedrohliche Überhänge, ein kurzer Tunnel sowie baumbewachsene Felsblöcke direkt am Wegesrand wechselten sich ab.
Zweimal wurde die Wanderung unterbrochen: Ein erstes Mal: ein Aperitif war angesagt!. Ein zweites Mal: Was war jetzt los? Und nochmals wurde ein Aperitif spendiert! Besten Dank für die edlen Tropfen! – Nun drängte die Zeit doch langsam!
Das letzte Teilstück nach Iseltwald liegt nicht mehr im Wald. Eine Villa im Stil der Loire-Schlösser und die vorgelagerte Schneckeninsel beherrschen nun die Szenerie. Daneben prägen prächtige Chalets das Dorfbild. Diese sind typisch für die Gegend am Brienzersee.
Ein grosser Teil von Iseltwald liegt auf einer Halbinsel. Lange Zeit gab es keine Fahr-
strasse, und der Ort war nur übers Wasser erreichbar. Mit dem Aufkommen der Schifffahrt entwickelte sich ab 1871 der Tourismus. Hotels und Gastgewerbe entstanden. Heute halten sich vor allem Tagestouristen im schmucken Dorf auf.
Iseltwald ist das einzige Dorf am Südufer des Brienzersees und gilt als die Perle am Brienzersee.
1907 liess Gottfried Siegrist, ein Händler aus Bern, die damals am Ort stehenden Gebäude abreissen und am Eingang des Dorfes wieder aufstellen. Er baute auf der Halbinsel ein Schloss, das kurz nach der Fertigstellung nicht mehr bewohnt wurde. 1927 übernahm der Evangelische Diakonieverband Ländli die „Seeburg“. 1987 wurde das Schloss zum Kongress- und Kurzentrum umfunktioniert. Die Schnecken-
insel als einzige immatrikulierte Insel im Kanton Bern gehört der „Seeburg“. Das Anwesen soll nächstens verkauft werden.
Die Zeit war nun „reif“ für ein gutes Mittagessen im Hotel – Restaurant ‚Chalet Au Lac’. Das Ehepaar Abegglen, das Max sehr gut kennt, erwartete uns in seinen ‚heiligen Hallen’und hiess uns willkommen. Nach einem gemischten grünen Salat wurde uns ein ausgezeichnetes Fischmenue (Felchen mit Salzkartoffeln) oder alternativ (Kalbfleisch mit Trockenreis) serviert. Ein feines Dessert rundete den kulinarischen Teil ab.
Kurt Risi, unser Präsident, meldete sich nun zu Wort. Er bedankte sich zunächst für die mitfühlende Anteilnahme zum Tode seiner geliebten Frau Franziska.
Dann richtete er einen speziellen Dank an unseren Wanderleiter Max Siegrist, der es verstand, wiederum eine interessante, abwechsungsreiche Wanderung auf die Beine zu stellen. Wie letztes Jahr dürfte auch diese Gegend für manchen Teilnehmer geografisches Neuland bedeuten und eine bereichernde Wirkung zeigen. Alles hatte bestens geklappt. Max’ zweite Ausgabe hatte es wirklich in sich! Gratulation! Zum Schluss bedankte sich Kurt bei den Sponsoren Röbi Widmer (Znüni), Toni Niederberger und Werner Kretz (eine Runde Kaffee). Mit Stolz erwähnte er, dass der Verein im Zusammenhang mit dem 90Jahr-Jubiläum die Reisekosten sowie die Ausgaben für das Mittagessen in vollem Umfang übernahm. Herzlichen Dank!!
Unterdessen war die Stimmung im Saal auf dem Höhepunkt angelangt. Lebhaft und engagiert ging es bei den Gesprächen und beim Austausch von Erinnerungen zu und her Toll! Die Zeit verging in Windeseile, und schon hiess es: Aufbrechen!
Noch ein paar Gedanken zum Wetter: Einen solch unsanften Übergang vom Sommer zum Herbst, eine solche Wetterveränderung innerhalb 48 Stunden gab es wohl noch nie oder nur sehr selten. Dieser Temperatursturz von über 10 Grad warf uns in die Realität des Septembers zurück. So gesehen hatten wir noch Glück. Bei der Abreise regnete es noch, dann blieb es lange trocken, und es war nicht zu kalt. Es hätte auch anders kommen können. Petrus war uns wohlgesinnt!
Das eine Ziel dieses traditionellen Events ist die körperliche Betätigung in einer schönen Umgebung. Regelmässige Bewegung ist bekanntlich sehr wichtig für die Erhaltung der Gesundheit. Auch das Hauptziel wurde erreicht, das gesellige Zusammensein, die Pflege der Kameradschaft. Sie ist nach wie vor das Rückgrat, das Fundament unseres Erfolgs!
Um 16.15 Uhr setzten wir uns in den Car, Wir überliessen ab jetzt die Arbeit unserem Chauffeur und Kameraden Jörg. Er lenkte uns mit viel Fahrgefühl und sehr sicher nach Hause. Ein grosses Kompliment und herzlichen Dank. Chapeau!
Text: Herbert Unternährer
Fotos: Peter Wild und Herbert Unternährer
