
Um 08:40 Uhr versammelte sich eine stattliche Schar von 34 Männerturnern, vornehmlich in neuen königsblauen Jacken beim Bahnhof Emmenbrücke. Niemand hatte sich durch die anhaltende feucht-kalte Wetterprognose abschrecken lassen, um dann später in Alpnachstad, am Fusse des Pilatus, nach wenigen begrüssenden Worten von Max Siegrist gleich loszustiefeln.
Das Dorf hinter uns lassend, wandten wir uns dem Hinteren Städerried zu. Unterwegs kamen wir an der Schiffswerft Herzog und etwas später am Pistenende des Militärflugplatzes vorbei. Das Gebiet beidseits der Sarneraa heisst Eichiried.
Vor uns erhob sich schon bald ein steiler, bewaldeter Hügel, den es nun zu erklimmen galt. Nach einem anfänglichen Auf und Ab längs des Alpnachersees gelangten wir zu einer gelichteten Stelle direkt am Wasser. Seehöhe 434 m über Meer. Hier war Apéro-Time! Ein süffiger Weisswein, Mineralwasser und Apérogebäck standen zur Auswahl. Für die meisten von uns war dies eine ziemlich unbekannte Gegend, nicht weit und doch fremd!
Ab hier stiegen wir auf einem klassischen, recht stotzigen Bergweg durch den Hinterbergwald hinauf zur Vorderrüti. Plötzlich öffnete sich der Blick über den See auf Stansstad, den Bürgenstock mit Fürigen. Wir überwanden immerhin rund 200 Höhenmeter.
Zum Wandern war es angenehm frisch. Mit zunehmender Höhe verwandelte sich das Königsblau der neuen Jacken bald in ein ‚poloshirtiges’ Weiss, denn der Schweiss begann zu rinnen. Gottlob wurde der Pfad unter diesen vielen Wanderschuhen nicht zur rutschigen Herausforderung, zu der sie bei Regen hätte werden können.
Das letzte Stück des Weges führte über eine grasbewachsene Krete und anschliessende sattgrüne Wiesen hinunter zur Siedlung Allweg. Vor uns thronte majestätisch einer der schönsten Aussichtsberge rund um den Vierwaldstättersee, das Stanserhorn mit seiner weltberühmten Cabriolet-Seilbahn.
Wie bunte Ameisen spazierte eine lange verzettelte Reihe über die grüne Unterlage und entlang von ersten Häusern bis zur Asphaltstrasse.
Im italienisch geprägten Restaurant ‚Da Pippo / Gruob’ in Ennetmoos wartete ein feines Mittagessen auf uns: Insalata verde mit einer ausgezeichneten, würzigen französischen Sauce, Arrosto di maiale con risotto e verdure (Schweinsbraten), Gelato di vaniglia. Ein fruchtiger Barbera aus dem Piemont begleitete das Essen. Ein grosses Kompliment an die Küche!
Als erste waren die Kameraden anwesend, die nicht mehr gut zu Fuss waren. Sie verbrachten die Zwischenzeit hauptsächlich in Sarnen. Gemütliches Beisammensein, rege Gespräche verschiedenster Natur standen im Vordergrund. Kurz: Pflege der Kameradschaft war angesagt. Kurt Risi als Präsident bedankte sich auf seine typisch herzliche Art beim Organisator Max Siegrist für die tadellose Vorbereitung und Organisation dieser traditionellen Herbstwanderung.. Es war seine dritte erfolgreiche Nummer. Auch dieses Mal hatte er sich für ein wenig bekanntes Terrain entschieden. Für die meisten war es Neuland. Gratulation!
Max liess es sich nicht nehmen, uns das Dessert zu spenden. Er feierte vor kurzem seinen 70. Geburtstag. Diese noble Geste wurde mit einem dreifachen Turnerklatsch entschädigt.
Leider musste die Gruppe der ‚Nichtwanderer’ allzu früh aufbrechen wegen des Öffentlichen Verkehrs. Ihr Bus nach Stans fuhr nur alle zwei Stunden.
Nach der kulinarischen Stärkung standen uns noch knapp fünfzig Minuten Fussmarsch bevor. Nach kurzem Aufstieg durchquerten wir das Rotzloch, eine kurze felsige Schlucht. Auch hier hatte die Schweizer Armee während des 2.Weltkrieges gute Arbeit geleistet. Wir entdeckten mehrere Stolleneingänge. Dann erreichten wir das flache, asphaltierte Teilstück bis zum Abzweig zu einem sympathischeren Uferweg, der ans Ziel führte. Doch kurz vor Stansstad wurde – gegenüber dem Lopper – noch ein weiterer Halt eingeschaltet. Die Ähnlichkeit zur ersten Pause war frappant. Es waren wiederum Flaschen im Spiel!
Die letzte halbe Stunde verbrachte der Grossteil der Kameraden am See, beim ehemaligen Bahnhof der Stans-Engelberg-Bahn. Hier – schien es – ging ein kleines traditionelles Fest über die Bühne, die Chabis-Hoblete. An einer improvisierten Bar genossen wir bei einem kühlen Bier die letzte Phase des Ausflugs. Per Bahn ging’s zurück in heimische Gefilde.
Im ‚Seetäli’ liessen wir den Tag ausklingen. Wir hatten grosses Wetterglück. Es war zwar kein Bilderbuch-Spätsommertag. Für die eventuelle Nässe von oben mussten Schirm, Regenschutz, Regenhaut, Kopfbedeckungen oder was auch immer, nicht zum Einsatz kommen. Erst kurz vor der Einfahrt des Zuges in Stansstad erwischte es uns noch ein bisschen. Das Timing war perfekt! Petrus sei gedankt!
Abschliessend wäre noch zu erwähnen, dass die Fahrkosten, der Weisswein und eine Runde Kaffee vom Verein getragen wurden .Besten Dank!
Freuen wir uns auf nächstes Jahr!
Bericht und Fotos: Herbert Unternährer
