Am letzten Samstag fand der erste Anlass im Jahresprogramm statt – die traditionelle Schneeschuh – Wanderung. Folgende Kameraden waren dabei: Leiter Heinz Eichenberger, sein «Assistent» Hans Wigger, Hansruedi Ineichen, Sepp Signer, Hans Schwegler, Leo Oberholzer, Erwin Portmann, Manfred Messerli, Bernd Rammelkamp und ich. Erwin Portmann vertrat als einziger die Gilde der Männerturner. Für Bernd und mich war es eine Premiere.
Mit Privatautos fuhren wir nach Dallenwil. Hier begann das Abenteuer, von wo aus die Wirzwelibahn ca. 800 Höhenmeter überwindet. Dann führte die Route per pedes zum «Gummenmattli». Nach einem Kaffeehalt wurden die Schneeschuhe montiert, zum Teil hochkarätige Hightech-Sportgeräte. Hans Wigger, der mir grosszügigerweise ein Paar ausgeliehen hatte, half mir dabei.
Wir starteten unsere Tour in Richtung Gummenalp. Die ersten paar hundert Meter war das Gelände relativ flach – eigentlich ideal für Anfänger – bevor es dann in den zauberhaft verschneiten «Hexenwald» ging und anstieg. Auf dem durchgehend mit roten Stangen markierten Tannenpfad bestand bereits eine schöne, nicht allzu verdichtete Spur. Das sportliche Moment kam nun voll zum Zuge. Steilhügel und harmlosere Abschnitte wechselten sich ab. Wir liessen diese Stellen hinter uns und genossen die Ruhe und Abgeschiedenheit. (Ich versuchte es wenigstens).
Doch schon bald realisierte ich, dass das Atmen zum Problem werden könnte; der Puls schnellte in die Höhe. Mehrmals musste ich den Rhythmus unterbrechen, mich erholen. Abschalten war wohl das Richtige. Endlich kam der ersehnte Halt. Ein olivgrünes, gläsernes Ding zirkulierte wie von Geisterhand gesteuert von Mann zu Mann. Die «flüssige Unterstützung» zeigte Wirkung. Hans Schwegler sei gedankt. Dann – schien es mir – wurde die Steiggeschwindigkeit minim gedrosselt, dem schwächsten Glied der Kette, mir natürlich, angepasst. Eine Geste bester Kameradschaft!
Der idyllische Aufstieg nahm seinen Fortgang. Die erfahrenen Spezialisten unterhielten sich rege, während ich eher zum Schweigen neigte und die ersten muskulären Auswirkungen in den Oberschenkeln spürte. Ich ging ganz einfach «meinen» Tritt und brauchte die kurzen Pausen. Heinz war immer da und erteilte mir wohlgemeinte Ratschläge; er versuchte mich neu zu motivieren. Ich dachte bereits an den bevorstehenden kulinarischen Höhenflug, (der aber noch in weiter Ferne lag).
Das Stapfen in der unberührten Natur, in der weissen Landschaft war zwar ein faszinierendes Erlebnis. Zugegeben, aber auch ein anstrengendes. Dabei galt es, den Lebensraum für Tiere, Bäume und Sträucher zu respektieren.
Ein zweites Mal wurde bei einem längeren Unterbruch eine Flasche geöffnet und ein feiner Tropfen serviert. Auch Erwin Portmann, dem edlen Spender, gebührt ein Dank.
Fast 400 Meter hoch über dem Wirzweli-Plateau und fernab der Hektik der Skipisten fühlte man sich hier oben in einer verwunschenen Welt.
Vor uns lag ein letzter Steilhang, ein letzter Kraftakt, eine letzte Überwindung. Das Bergrestaurant «Gummenalp» stand nach dem Verlassen des Waldes beim «Hexentor» plötzlich vor uns. Nach ungefähr zweieinhalb Stunden war es geschafft! Aus eigener Kraft, mit ungewohntem Gerät!
Herzlichen Dank an alle Kameraden für die Unterstützung und Rücksichtnahme. Offenbar hatten Heinz, sein «Assistent» Hans und Leo immer ein aufmerksames Auge auf mich.
Ich liebe diese Gegend rund ums Wirzweli, hinter dem Stanserhorn. Seit über 65 Jahren habe ich eine besondere Beziehung zu ihr. Zum ersten Mal in meinem Leben war «Skifahren im Gebirge» hier oben angesagt. Jahrelang genossen wir den Gummenhang in vollen Zügen. Auch Bergtouren aufs Stanserhorn und den Arvigrat durften nicht fehlen. Die Schneeschuhwanderung war eine tolle Erfahrung. Und es freut mich ganz besonders, dass ich zum allerersten Mal den Gummen bestiegen habe – und erst noch mit Schneeschuhen.
Oben erwartete uns eine einmalige Aussicht auf das Stanserhorn, den Pilatus, den Vierwaldstättersee, die Rigi, das Buochserhorn, den Brisen, die Walenstöcke und den Titlis. Sie liess einen den Alltag vergessen. Mein Fazit: Schneeschuhwandern ist (je nach Schneebeschaffenheit und Steilheit des Geländes) deutlich anstrengender als Wandern.
Das Bergrestaurant «Gummenalp» lud zum Verweilen ein. Das Essen nach freier Wahl schmeckte ausgezeichnet. Ein grosses Kompliment an die Verantwortlichen in der Küche, aber auch an die nette Serviertochter. Unsere Spendenkasse, so Hans Wigger, Kassier, übernahm die Kosten für je eine Runde Hüttenkaffee und Herrgöttli. Besten Dank.
Wieder an der frischen Bergluft, reichte die Zeit noch für ein Gruppenfoto. Mit den zwei Pendelbahnen schwebten wir nach dem kulinarischen Genuss talwärts. Die Rückkehr nach Emmenbrücke erfolgte gegen Abend.
Die Schneeschuhwanderung 2019 war ein eindrückliches Erlebnis, und wir werden es nicht so schnell vergessen.!
Hoffen wir, dass das Element Schnee uns noch lange erhalten bleibt.
Der Tag verlief unfallfrei. Die Planung und Durchführung lief über Heinz Eichenberger und Hans Wigger, die keine Mühe scheuten, um am Mittwoch zuvor das ganze Unterfangen zu rekognoszieren.
Vielen, vielen Dank an alle!
Text: Herbert Unternährer
Fotos: Leo Oberholzer und Herbert Unternährer
