
Am letzten Mittwoch, den 30. Mai, fand zum 38. Mal das vom kürzlich verstorbenen Ehrenmitglied Adolf Schläpfer lancierte Freundschaftstreffen mit dem Männerturnverein Egolzwil statt. Organisiert hatten es diesmal die Kameraden aus Egolzwil. Im Mittelpunkt stand der Besuch der Kaltbach-Höhle. 41 Kameraden beteiligten sich daran und erlebten etwas ganz Besonderes. Die Höhle gehört zum international bekannten Emmi-Konzern.
Der 60minütige Rundgang begann mit einem kurzen Film zum Thema «Käseproduktion» in einer regionalen Kleinkäserei. Anschliessend führte uns Käsermeister Franz Marbach durch das labyrinthartige Höhlensystem. Doch mussten wir uns vorerst aus hygienischen Gründen eine leichte Schutzkleidung überziehen: Blaue Plastik-Schuhüberzüge, einen schwarzen Mantel und eine knallrote Kopfhaube. Dann wurde ein weiterer Kurzfilm zur Geschichte der Kaltbach-Höhle 17 Meter breit auf die feuchte Höhlenwand projiziert. Danach erlebten wir die Höhle hautnah. Fotografieren war verboten.
Die ursprünglich 54 Meter lange Sandsteinhöhle liegt tief verborgen im Santenberg, einem der Hügel des Wauwilermooses. Wasser und Eis formten sie vor 20 Millionen Jahren. Seit 1954 wurden in verschiedenen Zeitabständen weitere Stollen ausgebrochen, so dass die Höhle heute eine beeindruckende Gesamtlänge von 2,3 Kilometern aufweist. Die Arbeitsspuren in den neueren Abschnitten sind noch deutlich sichtbar.
Das ganze Jahr über ist es im Inneren der Höhle gleich kühl, 12,5° Celsius, und die Luftfeuchtigkeit bleibt mit 94% konstant und hoch.
Im Jahr 1953 entdeckten Käser aus der Region durch Zufall, dass dieses Klima eine besondere Wirkung auf Käse hat. Somit ist die Höhle ein einzigartiger Ort der Käseveredelung.
«Käse ist wie guter Wein», meinte Franz Marbach. «Erst durch die sorgfältige Lagerung unter genau kontrollierten Bedingungen wird aus einem hochwertigen Produkt ein vollendeter Genuss». Der Käse reift in mineralhaltiger Luft in aller Ruhe heran. Die Höhlenmeister tun das Ihrige, um einen besonderen Geschmack hervorzuzaubern. Mit ihrer Erfahrung und viel Gespür entscheiden sie, wie viel Pflege ein Käse braucht und wann er perfekt gereift ist.
Für mich sind die Käseherstellung, Lagerung und Veredelung eine Wissenschaft für sich. Ich wage es als Käsebanause nicht, in ihre Tiefen abzutauchen und mich mit ihr näher auseinanderzusetzen. Zu kompliziert!
Weit über 100 000 Käselaibe finden in der Kaltbach-Höhle Platz und werden bis zu einem Jahr lang gepflegt. Das Kaltbach-Sortiment verfügt über die traditionellen Käse wie «Emmentaler AOP» und «Le Gruyère AOP». (Interessant zu wissen: Für 5 Emmentaler werden 6000 Liter Milch benötigt. – AOP ist die Bezeichnung für das traditionelle Verfahren.) Spezialitäten aus eigener Produktion sind der «Extra-Würzige und der «Crème-Würzige. Das Kaltbach-Raclette verdankt sein besonders intensives Aroma der Höhlenreifung und schwarzen Rinde.
All die Käse-Spezialitäten können vom ganzen Laib bis zu Scheiben gekauft werden.
An einer Wasserquelle im hinteren Teil der Höhle mit einem kleinen See konnten wir auf einer Plattform einen interaktiven Emmentaler aus Kunststoff anpacken, hochheben und uns damit ablichten lassen.
Auf die Besichtigung folgte der kulinarische Teil. Zunächst erhielten wir die Gelegenheit, die verschiedenen Käsesorten zu degustieren. Zum Nachtessen gab es ein feines, zartschmelzendes Raclette mit allen üblichen Zutaten wie Essiggurken, Silberzwiebeln, Maiskölbchen, Ananas, Pfirsich und Kartoffeln. Alle Portionen – es gab mehr als genug – liessen nichts zu wünschen übrig. Zum Trinken passte ein würziger Weisswein, wie etwa ein Heida aus dem Wallis. Niemand musste mit halbleerem Magen die Heimreise antreten!
Die beiden Präsidenten Josef Hodel und Kurt Risi meldeten sich noch kurz zu Wort. Sie bedankten sich bei Franz Marbach für die informative Führung und bei allen Kameraden für ihr Interesse. Zum Schluss zelebrierten die Kameraden des MTV Emmenstrand noch einen «Dreifachen Turnerklatsch» als Zeichen des Dankes und der Zufriedenheit. Es war einmal mehr ein gelungener Abend.
Bericht: Herbert Unternährer
Fotos: Herbert Unternährer und Peter Wild
