Wer kennt die „drei Kathedralen“ der Stadt Luzern?

Stadtführung mit Dr. Kurt Messmer

Mit einer Stadtbesichtigung bot der MTV Emmenstrand seinen daheim gebliebenen Mitgliedern am 18. Juli 2012 mit Prof. Kurt Messmer ein tolles Sommerferien Erlebnis.

Dr. Kurt Messmer der bekannte Emmer Historiker, führte uns während 1 ½ Std . durch die Leuchtenstadt. 25 Kameraden hörten interessiert seinen fundierten Ausführungen zu. Ausgangspunkt war die erste der „Kathedralen“, die er uns  vorstellen wollte.

Aufgrund der einmaligen Lage am Europaplatz an der Luzerner Seebuchst sucht Stararchitekt Jean Nouvel die Verbindung mit dem Wasser. Er intergierte das Wasser in der Architektur des Hauses. „Wenn ich nicht zum Waser gehen kann, soll das Wasser zu mir kommen. „ Die Frontansicht besteht aus drei Gebäudeteilen, welche die Funktion visuell nach aussen tragen, dazwischen befindet sich sowohl im Innern wie auch  auf dem Vorplatz Wasser. Das linke Element aus massivem Stein besticht durch seine speziellen Fenster , in denen sich das gegenüberliegende Ufer spiegelt . Der mittlere Teil wirkt eher wie eine Schiffswerft. Sein „demokratischer Eingang“ befindet sich auf dem selben Niveau. Das bedeutet: Alle sind zu Kunst und Kultur eingeladen, nicht nur einig wenige. Die rechte Flanke mit ihrem „Gitterraster“ spricht für Transparenz. Sie gewährt Durchblick zum Bahnhof und zur weiteren Umgebung der Neustadt. Auffälligste und gewagteste Konstruktion des Gebäudes ist das riesige Dach.

Einige Schritt weiter steht die zweite „Kathedrale“, der Bahnhof. Die ersten Züge fuhren noch die Pilatusstrasse hinauf Richtung Norden . Der Torbogen erinnert mit dem Denkmal zuoberst an den Bahnhofsbrand. Schöpfer des Denkmals ist derselbe wie beim berühmten Telldenkmal in Altdorf. Nebenbei erfüllt der Torbogen noch einen  praktischen Zweck: Er entlüftet das Parkhaus. Auffallend ist die ausgeglichene Silhouette aller Gebäude am Europaplatz. Einzig  verschiedene Kuppeln weichen ein bisschen ab.
Beim Schwanenplatz steht man vor einer weiteren „Kathedrale“, einer Landschaft besonderer Art. Hier wurde das erst Hotel gebaut mit einer Bedingung: Blick auf den See und die Berge. Es liess die Statt einfach hinter sich. Damit war der Tourismus in Luzern geboren. Nach  und nach entstanden zwischen 1840 und 1870 weiter grosse Hotels: Schweizerhof, Luzernerhof, National, Palace und das Casino. Der Quai wurde immer breiter . Die ehemalig Hofbrücke wurde überflüssig und abgerissen. Sie war bei weitem nicht das einzige Objekt, das entfernt wurde. Um diese Zeit herrschte eine „Zerstörungswut“. 30 bis 40 Türme verschwanden oder mussten dem Verkehr weichen. Einzig die Museggmauer blieb übrig, weil sie nicht im Weg stand. Die Hauptverkehrsader verlief während Jahrhunderten über die Schnyderbrücke, durch die Furrengasse, über den Kapellplatz zur Hofkirche. Auf dem Schuhmacherplan ersichtlich, stand damals mitten auf dem Kapellplatz ein Lagerhaus.

Auf dem Weinmarkt fand im Mittelalter das öffentliche Leben statt. Er war Theaterplatz, die Politik war anwesend, bei der Linde war die Justiz zu Hause. Die Zünfte der Metzger, der Schuhmacher und Gerber sowie eine Apotheke befanden sich hier. Schräg aufgestellte, quadratische Bretter, auf der Oberseite mit Spiegeln bestückt, über einer engen Gasse, sollten mehr Licht ins Dunker der Räume bringen nach dem Prinzip Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel.

Unser Rundgang endete beim Ritterschen Palast und der dritten „Kathedrale“, der Jesuitenkirche. Im Regierungsgebäude existiert ein berühmter Totentanz in acht Bildern, dem dann später der Totentanz auf der Spreuerbrücke folgte.

Herrn Dr. Kurt Messmer gebührt für die Bereitschaft und die originelle Präsentation herzlichen dank. Mit seinem enormen Wissen hat er uns die Augen geöffnet. Es war eine Stadtbesichtigung ganz besonderer Art! Eine echte Bereicherung!

Nach dem ersten Teil gings an die Bruchstrasse ins Restaurant „Milo“. Bei einem Bierchen oder einem Glas Wein und einer pikant gewürzten „Polizeipizza“ mit Knoblauch und Peperoncini klang der Abend aus.

Text und Fotos: Herbert Unternährer
Fotos: Herbert Unternährer und Peter Wild