Am Samstag, den 15. September, brachte uns das Postauto vom Sprengiplatz in Emmenbrücke nach Neuenkirch-Post. 29 Kameraden waren gemeldet, alle erwartungsvoll und bei bester Laune.
Wir nahmen schon bald den idyllischen Waldweg zum Teufenweiher unter die Füsse. Schon gab es eine erste Pause: Zeit für den Apéro! Zwei Weissweinflaschen wurden entkorkt, dazu gab es feine Käsewürfel. Besten Dank dem Spender!
Manchmal braucht es gar keine grossen Reisen, um von der Natur gegebene Schönheiten zu treffen. – Das abfliessende Wasser des künstlich angelegten Weihers trieb früher die Mühle in Sellenboden und eine Sägerei an.
Nahezu legendär war der ortsansässige Eishockey-Club. Er wurde im Jahr 1949 gegründet. Das Clubhaus, das ungefähr 100 Personen Platz bietet, wurde damals aus dem Tessin an den Weiher verfrachtet. Während vieler Jahre erstellte man im Winter in Fronarbeit auf Holzpfählen, die in den Boden gerammt worden waren, die erforderlichen Banden für ein Eisfeld. Auch eine Beleuchtung durfte nicht fehlen. Die Winter waren damals eben noch «richtige» Winter. Das Wasser konnte noch auf natürliche Art gefrieren. Man trug sogar Meisterschaftsspiele aus. 2004 ist der Verein «Weiherfrösche» Besitzer des Gewässers. Er hegt und pflegt das Areal. Das Lokal wird heute auch vermietet. – Walter Keller, selbst 20 Jahre lang ein erfahrener Hocheyspieler, hatte vieles erlebt und gab spontan interessante Begebenheiten aus vergangenen Zeiten zum Besten. Dabei waren immer irgendwelche Menschen im Spiel. Einmal handelte es sich um zwei sportliche Gegner, die im Eis eingebrochen waren…, ein anderes Mal wurde das Eis mutwillig mit Salz bestreut…, dann wurde eine Tanne gefällt, die aufs Eisfeld stürzte oder stürzen musste… – Es gab auch mysteriöse Vorfälle: Eine Leiche soll in einem Abfallsack im Weiher entsorgt worden sein!
Das nächste Teilstück zum schmucken Dorf Hellbühl lag nicht mehr im Wald. Stattliche Bauernhöfe wie Rüeggeringen und Härdmänigen lagen am Weg. Die Fernsicht auf den Alpenkranz zwischen Rossberg und Pilatus wäre von hier aus fantastisch gewesen, hätten sich die hartnäckigen Wolken endlich verzogen. Die Temperatur hingegen war sehr angenehm.
Hellbühl befindet sich 3,2 km südlich von Neuenkirch, zählt rund 900 Einwohner, liegt auf 648m über Meer und gehört politisch zur Gemeinde Neuenkirch. Gleich gegenüber der katholischen Pfarrkirche befindet sich das Restaurant «Piazza verde». Hier wurde uns ein ausgezeichnetes und erst noch sehr preiswertes Mittagessen serviert: Gemischter Salat, Schweins-Steak mit verschiedenen Gemüsen und Pommes frites. Ein grosses Kompliment an die Küchen-Equipe, ebenso an das freundliche Service-Personal.
Hier waren auch die Kameraden, die nicht mehr so gut zu Fuss sind, unter uns. Sie wurden von Hanspeter Bannwart ins Dorf und später zum Hof Ober-Wolfisbühl chauffiert. Toll!
Der Kulminationspunkt war erreicht. Wir liessen das Dorf hinter uns. Ab jetzt ging’s bergab bis zur verkehrs-historisch bedeutenden Sageli-Brücke über den Rotbach. Sie wurde vor 1799 erbaut als Teil der alten Ruswiler Landstrasse. Diese war bis ins 19. Jahrhundert eine der beiden Hauptverbindungen zwischen der Stadt Luzern und Bern, Solothurn, der Westschweiz und Burgund. Im Jahr 1840 wurde sie durch die neue Kantonsstrasse abgelöst.
Weitere Stationen waren der Hof Schwand und Neubüel auf dem Littauerberg. In dieser Gegend dominieren zurzeit drei gewaltige Aushub-Deponien. Sie sind alles andere als eine Augenweide. Die Landschaft verändert sich ständig. Die Höhenkurven auf den Karten müssen wohl in Bälde korrigiert werden. Ganz in der Nähe, beim Spitzfluehof, gibt es eine Hirschzucht mit ungefähr 100 Tieren. Jedes Jahr müssen hier 8 bis 10 Hirsche weidmännisch erlegt werden. Ein Hochstand ist eigens dafür errichtet worden.
Beim nächsten Stopp vor der Kapelle des Hofes Unter-Rötelbach zauberte Sepp Signer zwei Flaschen Weisswein und etwas zum Knabbern aus dem Rucksack. Danke schön! – Dann blieben noch rund zehn Minuten bis zum letzten Halt beim Hof Ober-Wolfisbüel. Hier warteten zwei hübsche Damen, Susanne Siegrist und Brigitte Wigger, mit einer tollen Überraschung auf. Sie präsentierten uns zwei hübsch garnierte Käseplatten – ein Augenschmaus! Die Kosten dafür und für die Runde Kaffee nach dem Mittagessen gingen auf das Spendenkonto des Vereins. Die verschiedenen gekühlten Dosenbiere wurden von Patrick Bianchi offeriert. Herzlichen Dank! Die verlängerte Unterbrechung der Wanderung diente auch der Erholung.
Bei dieser Gelegenheit ergriff Heinz Eichenberger das Wort und bedankte sich bei Tourenleiter Max Siegrist, der seinen Auftrag mit Bravour erfüllt hatte. Planung und Organisation der Wanderung waren perfekt. Max stellte sie unter das Motto «Was willst du in die Ferne schweifen, sieh das Schöne liegt so nah!». Ein weiteres Zeichen des Dankes und der Zufriedenheit aller Teilnehmer wurde mit einem Dreifachen Turnerklatsch gesetzt.
Der Schlussteil führte über Wolfisbüel zum Neuhof. Hier verabschiedeten sich einige Kameraden. Die 13 Unentwegten bewältigten den vielleicht landschaftlich schönsten, aber kurzen Teil des Weges, den Abstieg durch die bewaldete «Schlucht» hinunter zum «von Moos’schen-Kanal». Direkt am Bach liegt der wohl grösste Eiszeit-Findling der Gemeinde Emmen. Nur ungefähr ein Drittel des Brockens liegt über der Oberfläche und ist stark bemoost. Man könnte ihn diesbezüglich mit einem Eisberg vergleichen. Via Haldenweid ging’s an der ehemaligen Direktoren-Villa der von Moos’schen Eisenwerke «Seebli» vorbei, dann dem Emmer Uferweg entlang zur «Vorderschwelli», einem ehemaligen Wehr. Das gegenüberliegende Ufer längs des Roterwaldes ist momentan eine einzige Grossbaustelle. Grund dafür ist der Hochwasserschutz und die Renaturierung der Kleinen Emme. Nach dem Chäs-Chalet mit Blick auf das Gebäude 745 der Hochschule für Design und Kunst wählten wir die «Direttissima» zum Seetäli. Bei einem kühlen Bier liessen wir den Tag ausklingen. Alle hatten es genossen, einen netten Tag im Kameradenkreis zu verbringen. – Maxens vierter Streich hatte es wiederum in sich! Herzlichen Dank und Gratulation! Abschliessend noch ein passendes Zitat von David Dunn: «Das Glück muss entlang der Strasse gefunden werden, nicht am Ende des Weges.»
Text und Fotos: Herbert Unternährer
